Die Wechselatmung (Nadi Shodhana)

Wörtlich bedeutet Nadi Shodhana „Reinigung der Nadis“. Die Nadis, die Energie-Kanäle im feinstofflichen Körper, müssen frei von Unreinheiten und Blockaden sein - nur wenn sich die Energie, das Prana, frei durch diese Energiebahnen bewegen kann, können wir - befreit von Blockaden und Spannungen - Harmonie, Freude und Ausgeglichenheit erfahren.

 


Das Vishnu Mudra

Zur Durchführung von Nadi Shodhana müssen wir uns zuerst mit einer spezifischen Handhaltung, dem Vishnu Mudra, vertraut machen. Diese Handhaltung wird eingesetzt, um den Atemstrom zwischen dem rechten und dem linken Nasenloch zu regeln. Vishnu Mudra wird nur mit der rechten Hand durchgeführt.

  1. Öffne die rechte Hand, beuge Zeige- und Mittelfinger und lege deren Fingerkuppen auf den Daumenballen.
  2. Bringe den Daumen näher in Richtung Ringfinger; Ring- und kleiner Finger liegen eng aneinander.
  3. Bei der Wechselatmung wird die rechte Hand so an die Nase gelegt, dass das Endglied des Daumens auf dem rechten Nasenflügel aufliegt und die Kuppe des Ringfingers auf dem linken. Abwechselnd wird so der Atemstrom auf einer Nasenseite freigegeben, während das andere Nasenloch mit geringstmöglichem Druck verschlossen wird.
Vishnu Mudra

Die Wechselatmung ohne Luftanhalten (Anuloma Viloma)

Am Anfang – die ersten Wochen oder Monate des Übens – wird die Wechselatmung ohne Phase des Luftanhaltens durchgeführt. Einige Menschen fühlen sich unwohl beim Luftanhalten und bekommen dabei sogar Angstzustände. Wenn dies bei dir der Fall ist, führe die Wechselatmung auch weiterhin auf den Stufen ohne Luftanhalten durch. Auch Kinder und Schwangere sollten die Luft nicht anhalten, ebenso sollte man das Luftanhalten auslassen, wenn man sich nicht gesund fühlt.

 

Nimm deine bevorzugte meditative Sitzstellung ein. Achte auf eine korrekte, aufrechte und gleichzeitig entspannte Haltung. 

  1. Atme ruhig und langsam ein und aus. Forme mit der rechten Hand das Vishnu-Mudra und schließe mit dem Daumen das rechte Nasenloch. 
  2. Atme langsam, gleichmäßig und vollständig durch das linke Nasenloch ein und zähle dabei bis 5. Achte dabei auf die volle Yoga-Atmung.
  3. Schließe mit dem Ringfinger das linke Nasenloch, löse dann den Daumen vom rechten Nasenflügel und atme langsam und möglichst geräuschlos, bis 10 zählend, durch das rechte Nasenloch aus. 
  4. Atme wieder, bis 5 zählend, durch das rechte Nasenloch ein.
  5. Atme durch das linke Nasenloch aus und zähle dabei bis 10.

 

Wenn dir dieser Rhythmus zu langsam ist, kannst du auch beispielsweise im Rhythmus 4:8 oder 4:6 üben.

 

Wechselatmung

Die Wechselatmung mit Luftanhalten (Nadi Shodhana)

Bei der folgenden Beschreibung wird von einem sehr leichten Atemrhytmus für Anfänger ausgegangen - wenn du schon einige Praxis im Pranayama hast, wirst du einen anspruchsvolleren Rhytmus wählen. Der Grundrhytmus im Nadi Shodhana ist 1:4:2 (Einatmen : Luftanhalten : Ausatmen) - wir haben jedoch hier einen leichteren Rhytmus gewählt.

 

  1. Nimm deine bevorzugte meditative Sitzstellung ein. Achte auf eine korrekte, aufrechte und gleichzeitig entspannte Haltung. 
  2. Atme ruhig und langsam ein und aus. Forme mit der rechten Hand das Vishnu-Mudra und schließe mit dem Daumen das rechte Nasenloch. 
  3. Atme langsam, gleichmäßig und vollständig durch das linke Nasenloch ein und zähle dabei bis 4. Achte dabei auf die volle Yoga-Atmung.
  4. Schließe mit dem Ringfinger auch das linke Nasenloch und halte die Luft an, während du bis 6 zählst.  Während des Anhaltens der Luft halten Ringfinger und Daumen die Nase verschlossen. Achte während des Luftanhaltens auf Entspanntheit vor allem im Schulterbereich.
  5. Löse den Daumen vom rechten Nasenflügel und atme langsam und möglichst geräuschlos, bis 6 zählend, durch das rechte Nasenloch aus. 
  6. Atme wieder, bis 4 zählend, durch das rechte Nasenloch ein.
  7. Halte die Luft an und zähle dabei bis 6.
  8. Atme durch das linke Nasenloch aus und zähle dabei bis 6.

Dies ist eine Runde Nadi Shodhana, die also aus zwei Atemzügen und zwei Luftanhaltephasen besteht. Wiederhole die Schritte [3] bis [8] anfangs fünf bis zehn Mal, später steigere auf bis zu fünfzehn Runden. 

 

Modifizierter Auszug aus "Yoga fürs Leben"

 


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