Wie werde ich Yogalehrer/in?

Wer möchte nicht sein Hobby zum Beruf machen? Für einen Menschen, der für eine Sache brennt und zutiefst von ihr durchdrungen ist, gibt es nichts schöneres und erfüllenderes als einen Weg zu finden, davon leben zu können. Die Grundidee ist ja bereits im Wort enthalten: Man wird gerufen, man lebt seine Berufung – erst dann lebt man nicht einen „Job“, sondern einen Beruf, dann hört man auf zu „arbeiten“ und beginnt zu „wirken“.

Kann man vom Yoga leben?

Diese Frage wird oft als erstes gestellt. Aus eigener Erfahrung und vielfacher Beobachtung kann diese Frage mit Vorbehalt bejaht werden, wenn eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt wird. Der erste Schritt in die Selbstständigkeit wird optimalerweise jedoch ein kleiner sein und ein nebenberufliches Weitergeben des Yoga beinhalten. Daraus mag sich in den nächsten Jahren ein allmähliches organisches Wachstum ergeben, das schließlich in eine größere Aktivität münden kann. Von den ungefähr 10.000 aktiven Yogalehrern in Österreich sind höchstens 1000 hauptberuflich / vollzeit mit Yoga tätig. In erster Linie gilt es, seinen persönlichen Weg, die persönliche Form zu finden und diese sich auf eine natürliche Weise entwickeln zu lassen.

Fachgebiete und Spezialisierung

Innerhalb der Fach- und Lebensbereiche, die durch Yoga wirksam positiv beeinflusst werden können, gibt es eine Vielzahl von Feldern, auf die eine Spezialisierung möglich und sinnvoll ist. So kann man sich zum Beispiel auf Menschengruppen spezialisieren, die spezifische Bedürfnisse haben, etwa Kinder, Senioren, Menschen mit physischen und / oder geistigen Einschränkungen, Berufstätige, Schwangere, Sportler, Übergewichtige usw. Ebenso kann man sich auf die gesundheitlichen Potentiale des Yoga konzentrieren oder Yoga-Reisen anbieten sowie Yoga mit anderen Methoden der Spiritualität und alternativen Heilberufen kombinieren.

 

Am Ende wird es darum gehen, die umfassende Wissenschaft des Yoga zum Nutzen bestimmter Anforderungen und Situationen bestmöglich einzusetzen – das Feld der Anwendung des Yoga ist nahezu unbegrenzt!

 

Voraussetzungen

Um als Yogalehrer/in dauerhaft erfolgreich zu sein, müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden. Prüfe schon vor der Entscheidung für deine Selbstständigkeit mit Yoga, ob du fühlst, dass diese Voraussetzungen gegeben sind:

 

  1. Die Basis ist es, das „Feuer“ des Yoga in sich brennen zu fühlen, eine große Begeisterung für den Wert und die Kraft des Yoga, und natürlich, dass du Yoga selbst täglich praktizierst und den Geist des Yoga im Alltag lebst;
  2. Hochwertige Aus- und Weiterbildungen, die dich zum Profi auf deinem Gebiet machen, und die Bereitschaft, stets dazuzulernen;
  3. Unternehmerisches Talent und Freude daran, dein „Business“ zu organisieren und auch hier stets nach Verbesserung zu streben. Hierzu gehört Kreativität, Flexibilität und unternehmerische Vielseitigkeit – denn zumindest zu Beginn bist du alles in einer Person, was in größeren Betrieben arbeitsteilig organisiert ist: Werbeexperte, Geschäftsleiter, Planer, Buchhalter, Kundenbüro usw. Der Betrieb muss professionell auftreten, kundenfreundlich organisiert sein, und vor allem den Geist des Yoga auch im organisatorischen Bereich leben;
  4. Zum Erfolg gehört ganz besonders ein „langer Atem“: Ausdauer, auch schwierige Zeiten durchzustehen und Mißerfolge einzustecken. Man überschätzt leicht, was man in einem Jahr erreichen kann, aber man unterschätzt, was in fünf Jahren geschehen kann.
  5. Schließlich braucht es für die Anfangsinvestitionen und für die Anlaufphase ein gewisses Startkapital, das dir auch Sicherheit gibt, wenn unerwartete Ausgaben kommen oder sich ein schwächeres Semester abzeichnet.

 

Die Yogalehrer-Ausbildung

Es gibt in Österreich derzeit etwa 60 aktive Anbieter mit Ausbildungen mit einer Dauer zwischen 3 Wochenenden und 4 Jahren und Kosten von € 1.000,- bis über € 10.000,-. Es gibt unterschiedliche Yoga-Stile und -Formen und unterschiedliche Zertifizierungen.


Wichtig bei der Wahl deines Ausbildungsinstituts wird es sein, dass sein Yoga-Stil deinem persönlichen Zugang zum Yoga entspricht. Ein Mensch, der in Yoga primär Stille und Meditation sucht, wird mit einer dynamischen Power-Yoga-Ausbildung nicht sehr glücklich sein, und jemand, der seinen sportlichen und aktiven Zugang im Yoga ausdrücken möchte, wird mit einer Ausbildung, die sich auf Philosophie, Meditation und Mantras konzentriert, schlecht beraten sein.

 

Lass dir Informationsmaterial schicken, aus dem der Zugang des Instituts betreffend Schwerpunkte, Inhalte und Grundwerte hervorgehen sollten, prüfe die Website und besuche eine Info-Veranstaltung, um die Ausbildungsleitung persönlich kennen zu lernen. Interessant könnte auch ein Gespräch mit Ausbildungsabsolventen sein – lass dir Namen und Kontaktdaten geben (wegen des Datenschutzes kann hier die Rückfrage bei der betreffenden Person erforderlich sein).


Eine hochwertige Ausbildung sollte mindestens 1 Jahr mit 200 – 300 Stunden dauern, ein internationaler Standard sind 500 Stunden – so erhältst du eine gute Basis für einen professionellen und hochwertigen Yoga-Unterricht.


Achte bei deinem Ausbildungsanbieter auch darauf, ob er auch Weiterbildungen anbietet und wie weit er seine Absolventen auch nach der Ausbildung unterstützt.

 

Der Organisationsaufwand

Mancher Yoga-Lehrer, der bis dahin dachte, dass man als selbständiger Yoga-Lehrer hauptsächlich Yoga-Kurse unterrichtet, musste erkennen, dass dies wohl der zentrale Teil seiner neuen Berufstätigkeit ist, aber vom Zeitaufwand wird der organisatorische Bereich mindestens ebenso umfangreich sein.


In diesem Tätigkeitsbereich wird es zunächst darum gehen, ein Unternehmenskonzept zu entwickeln, mit einer Vision und einer Botschaft, es wird ein Name für die Yogaschule gewählt, ein Logo entworfen, ein Finanzplan und Aktivitätenplan aufgebaut. Dann geht es um die Kursplanung, die Raumplanung und die Werbung: Welche Werbemittel werden eingesetzt, welche Zielgruppe wird angesprochen, wie hoch ist das Werbebudget? Die Website wird aufgebaut, Werbematerial entworfen und verteilt, und die Social Media-Aktivität gestartet. Dann muss laufend die Buchhaltung mit allen Einnahmen- und Ausgabenbelegen und Steuererklärungen erledigt werden und natürlich müssen Anfragen beantwortet, Anmeldungen gebucht und Rechnungen ausgestellt werden. Wer einige oder mehrere dieser Arbeiten nicht selbst durchführen möchte, muss eventuelle Kosten berücksichtigen, die anfallen, wenn man diese Arbeiten durch jemanden durchführen lässt.


Niemand sollte sich durch diese organisatorischen Dinge entmutigen lassen, sind sie doch Ausdruck der Freiheit des Unternehmers, sein Geschäft selbst zu gestalten und zu entwickeln. Nur sollte man den Aufwand für diesen Bereich, besonders am Anfang der Tätigkeit, nicht unterschätzen.

 

Rechtliches und die Behörden

Als Yoga-Lehrer/in übst du einen freien Beruf aus, das bedeutet, dass keine Kammermitgliedschaft nötig ist, du brauchst also keinen Gewerbeschein. Zum Start der eigenen Yoga-Schule ist nur eine Meldung an das Finanzamt und eine Anmeldung bei der Sozialversicherung notwendig. Im allgemeinen wird dein Unternehmen die Rechtsform des Einzelunternehmens haben.

 

Für das Anmelden beim Finanzamt und bei der Sozialversicherung kann dir ein (zumeist kostenloses) Erstgespräch bei einem Steuerberater helfen, der auf deine individuelle Einkommenssituation eingehen kann.

 

Die Bedeutung des Yoga in unserer Welt

Die heilige Wissenschaft des Yoga hat gerade in unserer Zeit des globalen Bewusstseinswandels außergewöhnliche Bedeutung. Ein Zeitalter des Kampfes, der Lügen, der Kriege geht zu Ende und ein Geist der Achtsamkeit, der Wahrhaftigkeit, der Gelassenheit, der durch Yoga schon vor 2000, 3000 Jahren beschrieben wurde, beginnt sich nun mehr und mehr durchzusetzen – es braucht Menschen, die diesen Geist leben und an andere Menschen weitergeben können – die Welt BRAUCHT Yogalehrerinnen und Yogalehrer, Pioniere eines neuen Geistes!

 

Swami Satyananda, ein Schüler Swami Sivanandas, sagte bereits in 1963 die bedeutungsschweren Worte

 

„Yoga will emerge as a mighty world culture and change the course of world events.”

 

Eine Lebensschule

Von unserem 6. bis zum 18. Lebensjahr verbringen wird rund 8000 Stunden in der Schule. 8000 Stunden lang eignen wir uns Wissen aus den verschiedensten Fachgebieten an: Lesen, Schreiben, Buchhaltung, Fremdsprachen und vieles mehr. Hast du vielleicht auch schon einmal inne gehalten und dich gefragt, worauf diese Dinge, die wir lernten, abzielen? Alles richtet sich nach außen, auf das Bestehen in unserer industrialisierten Gesellschaft: Wirtschaft, Karriere, Politik und Wissenschaft sind die Themen, die nicht nur unsere Medien und Gespräche, sondern auch unser Bildungswesen bestimmen.


Doch welche Schule lehrt uns, wie der eigene Geist funktioniert? Wie wir inmitten einer chaotischen, gewalttätigen, verständnislosen Welt Frieden, Schönheit und Glück erfahren können? Wie wir trotz Umweltbelastung und Stress gesund sein und bleiben können? Wie wir hinter die Mauer von Äußerlichkeiten und Oberflächlichkeiten dringen können, in die Stille unseres Seins und tiefen Frieden und vielleicht - Gott finden können?


Die „Yoga-Schulung“ ist eine, und wahrscheinlich die älteste und umfassendste Möglichkeit, sein Inneres zu erkunden, seine Persönlichkeit zu entfalten und Kraft, Frieden und Harmonie zu finden. Die Lehre des Yoga wurde über mehrere tausend Jahre entwickelt und umfasst alles Wissen, alle Einsichten, alle Techniken, welche für ein harmonisches und ausgeglichenes Leben im Einklang mit der eigentlichen Bestimmung des Menschen erforderlich sind. Yoga kann uns das lehren, was wir in unseren Schulen vergeblich suchen.


Auszug aus dem Yogalehrer-Handbuch der Yoga-Akademie Austria