Faszien und Asanas

Die Faszien als Verbindungsglied zwischen körperlicher und energetischer Hülle und wie sich karmische Eindrücke auf die Öffnung des Körpers auswirken. 

Asana-Wirkungen

Wirkungen einzelner Asanas darzustellen, ist, als würde man den Zehennagel eines Elefanten beschreiben um jemanden zu erklären, wie dieses Tier in seiner Gesamtheit aussieht.
Asana nimmt in der Praxis des Yoga einen recht geringen Anteil ein - und doch konzentrieren sich viele Yogastile vorrangig auf diesen Aspekt. Stellen die Körperübungen des Yoga doch für viele Praktizierende die Eintrittspforte auf dem Yoga-Weg dar. Viele Aspekte des Yoga lassen sich in das Praktizieren von Asana integrieren. Auf diese Art und Weise gelangt der Yogaübende von einer anfangs eher körperzentrierten zu einer körperlich-geistig-spirituellen Praxis. 

 

Asana als "Tablette"

 

Wirkungen von Asanas sind so vielfältig, dass es schwer fällt, sie in ihrer Gesamtheit aufzuzeigen. Da Yoga eben nicht nur Körperübung ist, sondern viel mehr, ist auch das Wirkungsspektrum ein viel breiteres. Gerade eine westlich orientierte Betrachtungsweise, die auf einem defizit- und symptomorientierten Ansatz beruht, verleitet dazu, Auswirkungen des Yoga klassifizieren zu wollen, um daraufhin Asana als Tablette bei verschiedenen Beschwerden zu verordnen. 

 

Eine Bedeutung von Yoga ist "Vereinigung", "Integration". So ist es eher die individuelle Erfahrung, die einen Yogaübenden zu einem tieferen Verständnis der eigenen Zusammenhänge von Körper, Geist und Seele führen soll, zur Selbsterkenntnis. Die vielfältigen positiven Auswirkungen sind dabei ein angenehmer Nebeneffekt einer ganzheitlichen Yogapraxis. 

 

Allerdings können neben den positiven Effekten einer ganzheitlichen Yogapraxis auch unerwünschte Wirkungen auftreten - nämlich dann, wenn die eigenen Grenzen über einen längeren Zeitraum im Übermaß überschritten wurden und die persönliche Leistungsoptimierung in den Vordergrund tritt.

Wirkungszusammenhänge

 

Um zu einem bessern Verständnis für die Entwicklungen auf den Yoga-Weg zu kommen, macht es Sinn, die Auswirkungen von Asanas auf der Ebene der fünf Hüllen zu betrachten. Wir finden zwischen der körperlichen und energetischen Hülle eine Verbindung, deren wesentliche Bedeutung erst in den letzten zehn Jahren in der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden ist. Die Rede ist von den alles verbindenden und umhüllenden Faszien.

Wirkung der Asanas auf die Faszien

 

Faszien gehören zum Bindegewebe und sind je nach Lokalisierung und Funktion von zarter, dünner und elastischer bis zu sehr fester, dicker und starren Struktur. Wenn wir ein Asana einnehmen, benötigt es ein paar Atemzüge bis sich die Muskulatur entspannt. Die einzelnen Filamente gleiten dabei auseinander und der Muskel wird langsam länger. Ersten die Spannung in der Muskulatur abgenommen hat, beginnt die eigentliche Dehnung, nämlich jene der Faszien. Wenn wir mit Yoga beginnen, kann es sein, dass Faszien aufgrund von Bewegungsmangel oder einseitigen sportlichen oder beruflichen Tätigkeiten bzw. nach Verletzungen miteinander verklebt sind. Bei unzureichender Bewegung bilden sich in den Faszien an "blinden" Stellen im Körper richtige "Wollknäuel", die teilweise sogar spürbar Erbsen- oder Radischengröße annehmen können. Die sanften Dehnübungen des Yoga führen dazu, dass die elastischen und festen Strukturen der Faszien in der Richtung der Belastung ausgerichtet werden. Es kommt zur Umstrukturierung und Neubildung von elastischen und kollagenen Fasern im Bindegewebe. Damit verbunden ist auch eine erhöhte Wasseraufnahme, was insgesamt zur Strahlung des Bindegewebes führt. Für eine ökonomische Bewegung und den inneren Halt des Körpers spielen elastische, entspannte und glatte Faszien eine wesentliche Rolle.

Zunahme des Körpergefühls

 

Der hohe Anteil von ca. 80% aller im Körper befindlichen freien Nervenendungen sind in den Faszien lokalisiert. Sie ermöglichen es uns, Empfindungen an der Körperoberfläche und in der -tiefe wahrzunehmen. Faszien können sich sogar langsam kontrahieren, nämlich durch Botenstoffe, die unser Körper bei langanhaltendem Stress aussendet. Diese Verspannungen beeinflusst die Funktion der freien Nervenenden und wir verlieren zunehmend einen unserer wichtigsten Sinne. Neben der Wirkung des sanften Dehnreizes auf die Faszien ist es die beruhigende und reinigende Wirkung des Yoga insgesamt auf unseren Organismus, der dazu führt, dass sich die Faszien mehr und mehr entspannen. Mit einer regelmäßigen Yogapraxis gelangen wir in einen ausgeglichenen Zustand und lernen auf die hilfreichen Signale unseres Körpers zu hören. Es ist ja eigentlich ganz logisch und nachvollziehbar, dass ein gestresster, angespannter Mensch in seiner Wahrnehmungsfähigkeit eingeschränkt ist. Stressreaktion heißt Gefahr und somit Spannung, Flucht und Fokussierung im Gegensatz zu Weite, Offenheit und Entspannung. Faszien sind sozusagen unser sechster Sinn, unsere Intuition. 

Sie sind außerdem eine physische Struktur, in denen die Energiebahnen laufen. Nicht nur Yoga, sondern auch andere Heilsysteme - wie z.B. Nuad - machen sich die Faszien zunutze, um den Energiefluss zu steuern und damit Bewusstsein und Lebensenergie von einem Bereich in einen anderen zu lenken. 

Die emotionale Ebene

 

Aufgrund der Einheit Körper, Geist und Seele verkörpern wir Erlebnisse in unterschiedlichen Ebenen unserer grob- und feinstofflichen Körper und Hüllen. Durch das regelmäßige Praktizieren von Yoga kommt Vieles in Bewegung. Werden Faszien entspannter, können so einige Blockaden in den Energiebahnen wahrgenommen werden. Des Öfteren kommt es im Laufe der Yoga Karriere vor, dass karmische Eindrücke befreit werden und an die Oberfläche drängen. Nicht selten besteht ein indirekter thematischer Zusammenhang mit den durch ein Asana aktivierten Chakren. Wenn sich manche Körperbereiche trotz korrekter Ausführung der Asanas nicht öffnen, ist es hilfreich sich mit den emotionalen Themen des jeweiligen Chakras etwas genauer zu beschäftigen. 

Empfehlungen für die Asanapraxis

 

Wir empfehlen bei regelmäßigem Üben eine Variabilität und viel Abwechslung in den Übungen. Monotonie über einen längeren Zeitraum führt zu eingeschränkter Anpassungsfähigkeit des Organismus und zu versteiften Denkmustern. Um die Faszien in ihrer Funktion positiv zu beeinflussen, festgefahrene Muster aufzuweichen und die Kreativität zu fördern, kann eine verspielte und experimentierfreudige Praxis helfen. Kleinste Mikrobewegungen in der Haltephase einer Asana erhöhen nicht nur die Körperwahrnehmung, sondern auch die Verfeinerung in der Ansteuerungsfähigkeit der Muskulatur. Außerdem verbessert sich die Elastizität und Gleitfähigkeit der Faszien untereinander und erhöht somit die Ökonomie und Beweglichkeit bei sportlichen oder beruflichen Tätigkeiten. Dies erfordert eine eher langsame und bewusste Ausführung von Asanas und Bewegungsabläufen. Insbesondere in sehr dynamischen und kraftvollen Yogastilen sollte darauf geachtet werden, sich genau genug in die Tiefe der Gewebestruktur zu spüren. Gerade jenen "blinden" Stellen die sich steifer, dumpfer und gröber anfühlen, kannst du vermehrt Achtsamkeit schenken, um deinen sechsten Sinn zu aktivieren oder noch feinfühliger werden zu lassen. 

Philipp Hanak und Priska Waißenbacher


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