Hinweise zur Pranayama-Praxis

Pranayamas sind anspruchsvollere und subtiler wirkende Techniken als Asanas. Um ihre volle Wirksamkeit zu entfalten, beachte bitte die folgenden Hinweise:

 


1. Korrekte Sitzstellung

Nur eine vollständig aufrechte und entspannte Sitzhaltung gewährleistet einen optimalen Energiefluss. Wenn nötig, können Hilfsmittel (Meditationspolster oder Decken zum Unterlegen) eingesetzt werden.
Die am besten geeigneten Sitzstellungen für Pranayama sind der Meistersitz  und der (halbe) Lotussitz. 


2. Konzentration und Entspanntheit

Wenn schon Asanas durch Hingabe und Bewusstheit zu einer Vorstufe der Meditation werden - um wie viel mehr trägt dann die richtige innere Haltung dazu bei, die feinere, subtilere Technik des Pranayama zu einer meditativen Erfahrung zu machen!

Richte deine Aufmerksamkeit vollständig nach innen; konzentriere dich auf die ruhigen und kontrollierten Abläufe und Vorgänge der jeweiligen Pranayama-Technik. Ziehe die Gedanken von allen Dingen ab, die nichts mit der momentanen Übung zu tun haben.

Bleibe dabei gleichzeitig entspannt und fühle dich wie ein Beobachter deiner Person und deiner Atmung.

Ich kann Pranayama auch als Vorbereitung zur Meditation sehr empfehlen - schon wenige Minuten konzentriertes Pranayama vor einer Meditationssitzung können diese wesentlich unterstützen!


3. Der "dünne" Atem

Trachte danach, einen „dünnen“ und feinen Atem zu entwickeln. Dieser steht im Gegensatz zu dem groben, mehrere Meter weit hörbaren, schnaufenden Atem mancher Anfänger. Je sanfter und leiser der Atem (insbesondere bei der Ausatmung) wird, desto besser und vollständiger kann Prana absorbiert werden.
Die Aufmerksamkeit auf einen „dünnen“ Atem führt zu einer erhöhten Achtsamkeit während der Übung, was eine meditativen Haltung begünstigt. Auch signalisiert ein lautes und heftiges Ausatmen, dass die Luft zu lange angehalten wurde, was der Wirkung des Pranayama abträglich ist, ja, sie sogar ins Gegenteil verkehren kann.


4. Die Grenzen respektieren

Gleich ob Anfänger oder Fortgeschrittener, an die sehr wirksamen Übungen des Pranayama sollte man mit Achtsamkeit und einem gewissen Respekt herangehen. Wenn du Anfänger bist, ist dein Atemsystem noch nicht an regelmäßiges Atemanhalten gewöhnt, die Atmung wurde bisher höchstwahrscheinlich nicht kontrolliert, was vielfach auch Leistungssportler betrifft. Es sollten daher zunächst Atem-Vorübungen so lange durchgeführt werden, bis sie ohne die geringsten Schwierigkeiten beherrscht werden. Erst wenn man sich in einer Technik bzw. in einer bestimmten Stufe einer Technik vollkommen wohl und „zu Hause“ fühlt, kann man, wenn man möchte, zur nächsten Stufe bzw. Technik  weiter schreiten.
Manche Menschen haben Schwierigkeiten, die Luft überhaupt anzuhalten. Es mag sich sofort ein Gefühl von Angst und Enge ergeben. In diesem Fall sollte man für einige Zeit überhaupt auf das Luftanhalten verzichten. Man kann jedoch versuchen, durch kurze Pausen nach der Ein- und Ausatmung, etwa ein bis drei Sekunden, das Atemsystem vorsichtig und allmählich an die Atemverhaltungen zu gewöhnen.


5. Reine Luft - reines Prana

Bei Pranayama kommt der Qualität der Luft wesentlich größere Bedeutung zu als bei alltäglichen Tätigkeiten, wird doch bis zu zehn Mal tiefer geatmet! Achte daher besonders auf reine Luft und übe bevorzugt am Morgen und natürlich - so weit es möglich ist - im Freien.