Gomukhasana

Eine Stellung für Gelassenheit, Ruhe und Freundlichkeit.

"Go" bedeutet Kuh und "Mukha" Gesicht... wenn nach der Bedeutung von Gomukhasana gefragt wird und wie diese Asana zu seinem Namen kam, wird meist in der äußeren Körperhaltung nach einem sichtbaren Kuhgesicht gesucht. Es sind wohl eher innere Qualitäten von Gelassenheit, Ruhe und Freundlichkeit, die wir in uns entdecken und entwicklen können, und die in den gleichmütigen Gesichtern von Kühen Ausdruck finden.


Einige Vorübungen

Wir beginnen mit einigen Vorübungen für die Regionen der Hüfte und der Schultern.

 

Vorübung 1

Im Stehen lockere deine Schultern: Ziehe sie hoch zu den Ohren und schiebe sie tief Richtung Boden, ziehe die Schulterblätter zusammen und schiebe sie weit auseinander, dann bewege beide Schultern gleichzeitig in großen Kreisen. Nach einigen Wiederholungen kreise deine Schultern einzeln im Wechsel. 

 

Vorübung 2 

Lege dich auf den Rücken, breite deine Arme zu beiden Seiten auf Höhe deiner Schultern aus, spüre den Boden unter dir, deine Festigkeit und die Möglichkeit vollkommen loszulassen. Kehre dein gesamtes Bewusstsein nach innen und lasse dich ankommen im gegenwärtigen Augenblick. Spüre den Kontakt der Fußsohlen, des Beckens, des gesamten Rückens, beider Schultern, Arme und Hände und deines Hinterkopfes mit dem Boden. 

Hebe dein rechtes Bein und schlage es mit engem Oberschenkelkontakt über das linke, atme ein und mit dem Ausatmen bewege deinen gesamten Unterkörper nach links Richtung Boden. Der Kopf bleibt mittig, die Arme streben auseinander in den Raum zu beiden Seiten. Während die Beine schwer nach links zu Boden sinken, sinkt deine rechte Schulter schwer nach rechts zur Matte. Verweile für einige Atemzüge, atme bewusst in die zu dehnenden Regionen deines Hüft- und Gesäßbereiches und deiner rechten Achselfalte. Atme Weite ein und Spannung aus. Nach einigen Atemzügen kehre achtsam in die Ausgangsposition zurück auf dienen Rücken mit aufgestellten Füßen. Wiederhole langsam und bewusst zur anderen Seite und bereite so deinen Bereich der Hüfte, der Gesäß umspannenden Muskulatur, deiner Schultern und deiner Wirbelsäule auf das Einnehmen von Gomukhasana vor. 

 

Ausführung

Komm in einen Vierfüsslerstand. Positioniere, wenn vorhanden, einen Block vor deinen Händen und einen Block direkt hinter deinen Füßen. Schließe deine Beine, sodass Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Füße einander berühren. Hebe beide Unterschenkel und lege sie geschlossen nach links ab. Strecke nun dein linkes Bein aus und ziehe einen großen Halbkreis mit deinem linken Bein nach rechts, beuge dein linkes Knie und positioniere es eng am rechten. Deine Oberschenkel sind jetzt nahe am Becken verschränkt, die Knie liegen hintereinander und die Unterschenkel bilden ein V, die Füße zeigen auseinander. 

Nun setze dich langsam nach hinten zwischen deine Füße. Um schmerzfrei aufrecht sitzen zu können, zieh bei Bedarf den Block hinter dir unter dein Gesäß und lege eventuell für eine Höherpositionierung deines Beckens auch noch den Block vor dir über den hinteren. Es sollten beide Sitzknochen auf der Unterlage ruhen, dein Becken sollte gerade nach vorne ausgerichtet sein. Richte es senkrecht zur Unterlage auf als stabiles Fundament für deine Wirbelsäule, rechte und linke Taille sind gleich lang, dein Rücken gerade vom Kreuzbein bis zum Hinterkopf. Stell dir vor, deine gesamte Körperrückseite lehnt an einer Wand. Entspanne deine Schultern. 

Atme ein und strecke deine Wirbelsäule scheitelwärts, ausatmend lass dein Becken, deine Sitzknochen breit in die Unterlage einsinken. Dein Unterkörper drückt Stabilität und Festigkeit, Erdung (sthira) aus, während dein Oberkörper Leichtigkeit und Ausdehnung (sukha) verkörpert. Lass Heiterkeit aus deinem Gesicht strahlen!

 

Wenn du bereit bist, bringe noch die Arme in ihre Position: 
Strecke deinen linken Arm vor dich aus, drehe ihn auswärts - deine Handfläche zeigt nach oben. Hebe den Arm hoch bis neben dein Ohr - deine Handfläche zeigt jetzt nach hinten. Beuge deinen Ellbogen und lege deine Handfläche auf dein linkes Schulterblatt. Hebe deinen rechten Arm auf Schulterhöhe, drehe ihn einwärts, beuge ihn und schiebe deinen rechten Handrücken am Rücken entlang nach oben zwischen deine Schulterblätter. Dein Oberarm sollte eng am Brustkorb anliegen. Wenn es dir möglich ist, fasse die Finger deiner Hände. Der linke Oberarm liegt nahe an deinem Ohr. Der Kopf bleibt mittig ausgerichtet, dein Blick auf Augenhöhe in die Unendlichkeit ausgerichtet. Zur Vertiefung zieht die obere Hand den unteren Arm hoch. 

Endposition

Richte den Rücken auf, lass es weit werden in deiner Brust, zwischen den Schlüsselbeinen und in deinem Herzen. Atme tief in deinen Brustraum und in dein Herz ein, und lass den Ausatem in deine Beckenschale fließen, spüre dabei die Erdung. 

 

Jeder Einatem lenkt Pranaströme in die oberen Bereiche deines Herzens und jeder Ausatmen fließt wieder zurück in die unteren Räume deines Beckens.

Verlassen der Asana

Wenn der innere Impuls kommt, die Asana wieder aufzulösen, lass die Kraft aus deinem Becken und unteren Rücken kommen, deine Wirbelsäule und den Oberkörper kontrolliert aufzurichten. Langsam löse deine Armhaltung und lockere deine Beine. Wenn du bereit bist, übe zur anderen Seite. 

Wirkung der Stellung

Fordert und fördert Beweglichkeit in der Hüfte und in den Schultern. Diese Asana lockt die Atemluft in die oberen Lungenbereiche, weitet unseren Brustraum und streckt unsere Wirbelsäule. 

Fördert innere und äußere Ausdauer, Geduld und Gelassenheit. Erhöht unsere Beobachtungsgabe und ermöglicht uns die Freiheit, Kraft unseres Bewusstseins, nicht reagieren zu müssen.

 

Viel Freude beim Üben!


Marion Schiffbänker

 

Aus- und Weiterbildungsleiterin



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