Das Kamel (Ushtrasana)

Eine wunderbare Asana, um das Herz zu öffnen und den Atemraum zu weiten. 


Wenn du deine Bewegungen und Handlungen im Alltag beobachtest, wirst du feststellen, dass aufgrund unseres Gesichtsfeldes und der Stellung der Gelenke unseres Bewegungsapparates unsere Handlungen und Bewegungen primär nach vorne ausgerichtet sind und dass Bewegungen, die in die Gegenrichtung zielen (wie das Rückwärtsgehen), mit großer Unsicherheit verbunden sind. So beruht auch der Beugerreflex bei Schmerzen und Verletzungen und das sich zusammenkauern auf dem selben Prinzip. Ushtrasana, die Kamelstellung hilft uns, unseren Aktionsspielraum zu erweitern, die Angst vor dem Unbekannten zu verlieren uns sich bewusst inneren Widerständen zu stellen.

 

Das Kamel öffnet den Herzraum, was sowohl auf der Ebene des Gefühls als auch auf der Atemebene wunderbare Wirkungen zeigt, den Atemraum weitet und sowohl Herz- als auch (bei vorsichtig zurückgelegtem Kopf) das Kehlkopfchakra öffnet. Weiters wird das Kreislaufsystem in Schwung gebracht, Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur gestärkt und die Brust- und Bauchmuskeln gedehnt. Sehen wir uns die Durchführung der Ushtrasana an: 

 

 

Einstimmen: Balasana, die Stellung des Kindes

Lege deine Stirn am Boden ab. Wenn dir das nicht möglich ist, kannst du auch beide Fäuste übereinander stellen und darauf die Stirn ablegen. 

 

Dein Gesäß zeiht zu den Fersen. Die Arme liegen entspannt neben deinem Körper. 

 

Achte darauf, dass du in den Schultern ganz bewusst loslässt, dies gelingt dir vielleicht besser, wenn du deine Ellbogen und Schultern mit jedem Ausatmen mehr und mehr in Richtung Matte sinken lässt.

Schritt 1: Vajrasana, der Fersensitz

Schließe die Augen und komme im aufrechten Sitz an. Versuche dich so aufrecht wie möglich zu setzen. Richte dafür deinen Oberkörper so ein, dass deine Schultern über deinem Becken sind. 

 

Dein Kinn ist leicht zu dir gezogen, sodass dein Nacken lang sein kann. Versuche deinen Hinterkopf und dein Kreuzbein ins Lot zu bringen. Wäre mit deinen Handflächen deine Oberschenkelmuskulatur.

Schritt 2: Aufrichten

Mit deiner nächsten Einatmung hebe und strecke deinen Oberkörper in den Kniestand. Deine Arme streben weit nach oben. Sei dabei ganz achtsam, deine Linie Schulter-Becken-Kinn beizubehalten. Stärke deine Mitte. Dein Nabel sollte nach innen und oben ziehen. 

 

Aktiviere deine Rückenmuskulatur und spanne das Gesäß leicht an. 

 

Nun fülle dich nochmal in einer Einatmung und fühle die Länge in deinem Körper, die dadurch entsteht.

Schritt 3: Das Kamel, Vorstufe

Nun führe mit einer langen Ausatmung deine Arme in einem weiten Bogen hinter dich. Lege deine Hände zunächst auf deinen unteren Rücken. 

 

Achte auf deine Halswirbelsäule. Lass dein Kinn noch zum Brustkorb gesenkt. 

 

Ziehe die Schulterblätter und die Ellbogen zueinander und öffne dein Herz für die nächste Einatmung.

 

Spüre in deinen Nacken ob es sich gut anfühlt, den Kopf sanft in den Nacken zu legen - den Blick nach vorne und oben zu richten. Ansonsten lass das Kinn zur Brust gesenkt. 

 

Dein Gesäß ist aktiv und stärkt somit deinen unteren Rücken.

 

Schiebe nun leicht dein Becken nach vorne und die Schultern ziehen nach hinten und unten. Genieße hier ein paar Atemzüge!

Schritt 4: Das Kamel, Endstellung

Nun löse langsam deine Hände vom unteren Rücken, öffne mehr und mehr dein Herz. Schiebe kraftvoll dein Becken nach vorne und lege deine Hände auf deinen Fersen ab. 

 

Optional kannst du auch deine Zehen aufstellen. Wenn es deine Nackenmuskeln zulassen, kannst du jetzt deinen Kopf nach hinten und unten absenken. 

Schritt 5: Verlassen der Stellung

Mit einer kraftvollen Einatmung stärke deine Mitte - aktiviere deine Bauchmuskulatur und die deines Rückens. Löse sanft die Hände von deinen Fersen und richte deinen Oberkörper wieder so ein, dass du deine Schultern über deinem Becken wahrnehmen kannst. 

 

Gleite von hier nun weiter in die Gegenstellung, indem du deine Arme im weiten Bogen nach vorne Richtung Erde streckst und absenkst. 

 

Spüre in Balasana der Stellung nach.

 

Viel Freude in und mit deiner Praxis!


Sabine Gauri Borse

 

Aus- und Weiterbildungsleiterin



Gefällt dir dieser Text? Teile ihn auf Facebook oder versende einen Link per E-Mail!