Yoga des Klanges

Das Hören und Spüren von Klängen der Natur, Instrumenten, gesungenen Liedern und wiederholt gesprochenen Worten wird seit Jahrtausenden in den unterschiedlichsten Kulturen praktiziert und hat eine große Wirkung auf Körper, Geist und Seele.
Das ursprüngliche Nada Yoga besteht aus der heiligen Sprache Sanskrit, die eine ganz bestimmte zentrierende und kraftspendende Wirkung auf unseren Geist hat.
Mantren wurden von Weisen (Rishis) im überbewußten Zustand entdeckt und weitergegeben.

Das Wort "Mantra" hat verschiedene Bedeutungen. In den Mantra Shastras wird gesagt, dass Mantra aus zwei Wurzelsilben stammt, nämlich "Man" und "Tra". "Man" kommt von "Mananath", Denken. Und "Tra" kommt von Trayate, "führt zur Befreiung“. Ein Mantra ist das, was zur Befreiung führt, wenn man daran denkt und es wiederholt.


Kirtanam, das Singen ist Teil des Bhakti Yoga, öffnet das Herz und hütet unsere innere Balance. Die Mantren sind ein Schlüssel, um unsere inneren Tore zu öffnen, hier dürfen Emotionen und Tränen fließen. Regelmäßig praktiziert kann das Singen und der Atem ohne Anstrengung fließen, was oft als sehr berührend wahrgenommen wird und Loslassprozesse fördert.


Gemeinsames Musizieren bereitet große Freude und berührt die Mitwirkenden tief in ihrem Herzen und verbindet auf magische Weise alle Anwesenden.
Mehrstimmiges Singen ist, als ob eine Blume ihre Blüten öffnet. Tief und fest verwurzelt mit Mutter Erde entsteht der Klang und gleichzeitig weitet er sich aus, leicht, frei und durchlässig durch die magischen Silben der Mantren.


Schwingungen und Klänge fließen durch unsere Energiekanäle und strahlen so in alle Körperschichten, sind wohltuend und heilsam, fördern unsere Gesundheit indem Selbstheilungskräfte besser funktionieren, Verspannungen gelöst werden und die Stimmung gehoben wird.
Die Stille nach dem Singen oder Rezitieren vervollständigt ein Mantra, denn Klang kann ohne Stille nicht sein und die Stille nicht ohne Klang.

 

 

Foto: Marek Knopp

Kirtan-Singen und der Vagus-Nerv

Während des Singens wird der Vagus Nerv stimuliert. Dieser nimmt eine sehr wichtige Rolle im vegetativen Nervensystem ein. Ist er stark ausgeprägt, dann kann sich der Körper nach Stress gut erholen, Herzfrequenz, Atmung, Blutdruck, Verdauung laufen ideal ab. Es gibt Studien, die einen positiven Zusammenhang zwischen einem starken Vagotonus und positiven Emotionen sowie Gesundheit beschreiben. Ein hoher Vagotonus geht mit einem erhöhten Serotonin- und Dopaminspiegel einher sowie mit besseren zwischenmenschlichen Beziehungen.
Ein schwacher Vagus hingegen geht mit Entzündungen, einer erhöhten Anfälligkeit für Erkrankungen und negativen Emotionen einher.
Da der Vagusnerv unsere Stimmbänder und das Innenohr passiert, wirkt alles, was die Stimmbänder oder auch das Trommelfell zum Vibrieren bringt, beruhigend. Die Signale des Singens und Hören von Klängen bringt inneren Frieden und ist hilfreich für die Meditationspraxis.

Om - der heilige Klang

Das Mantra Om ist das Leben und die Seele aller Mantren, Om ist der transzendete Urklang, auf dem alles aufgebaut ist. Mantren in der Yogastunde helfen uns, tiefer in die Asana hineinzukommen, sie müheloser zu halten und die Wirkung, die sich in diesem Moment für uns zeigt, annehmen zu können.

 

Es gibt viele Möglichkeiten, Klänge in eine Yogastunde zu integrieren:
-    Om -Tönen
-    Mantrasingen zu Beginn und am Ende
-    klangunterstütztes Pranayama
-    Tönungsübungen
-    gesungene Surya-Mantren im Sonnengruß
-    Asanas und Savasana unterstützt von Klängen

Singen ist Pranayama, da die Luft kontrolliert abgegeben wird. Regelmäßige Atemübungen stärken nicht nur die Lunge und versorgen den Körper mit mehr Sauerstoff, sondern trainieren den wichtigsten Atemmuskel, das Zwerchfell, was sich wiederum positiv auf das Singen auswirkt.
Kapalabati (die Yogaschnellatmung) trainiert beispielsweise das Zwerchfell, um die Luft durch die Stimmbänder zu pressen. Dies ist wichtig, um den Ton kontrolliert zu erzeugen und zu stützen.

Niemand muss musikalisch sein, um zu singen oder Klangerfahrungen zu machen.
Öffne dich, gib dich ganz hin, erfahre und tauche ein in die zauberhafte Welt der Mantren und des Klanges im Yoga.

OM

 

 


Die Autorin

Claudia Schönbauer ist zert. Yoga-Lehrerin (Mantrayoga, Schwangerenyoga, Mama-Babyyoga, Mama-Papa –Kleinkindyoga), zert. Wildkräuterpädagogin und Musikerin.

 


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