Die Bedeutung des Geistes für die Gesundheit

Ein für die Betrachtung von Krankheit und Heilung überaus wichtiger Aspekt ist, dass der Geist - unsere Gedanken, Einstellungen und Gefühle - direkt Einfluss auf den physischen Körper nimmt und damit seine Energie, seine Funktion, seinen Gesundheitszustand tatsächlich verändert:

  • Ängste und Stress setzen Hormone frei, die messbare Veränderungen im Stoffwechsel erzeugen,
  • Unsicherheit und bestimmte Einstellungen blockieren Rezeptoren an den Zellen, wodurch der Stoffwechsel stark beeinträchtigt werden kann,
  • Ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und des Pessimismus reduziert nachweislich die Aktivität der Immunzellen und entzieht damit dem Körper Abwehrkraft.

Zahllose Studien belegen, dass unterdrückte und ausgelebte Wut, Feindseligkeit und Stress hauptverantwortliche Faktoren  für Krebs und Herzkrankheiten sind. Und man kennt die Bedeutung des Überlebenswillens, der bei einer schwerkranken oder verletzten Person über Leben und Tod entscheiden kann – der GEIST bestimmt, ob wir gesund oder krank sind!


Der Mensch, der bewusst an seinem Geist, an seinem Denken, an seiner Einstellung zur Welt, zu anderen Menschen und zu sich selbst und seinem Körper arbeitet, tut nicht nur etwas für eine ausgeglichenere Haltung, Zufriedenheit und Glücklichsein, sondern auch für seine physische Gesundheit. Und wahrscheinlich tut dieser Mensch mehr für seine Gesundheit als er, wenn er einmal erkrankt ist, mit allen Mitteln der modernen Medizin jemals tun kann, um sie wieder herzustellen!


Welche Einstellungen und Gefühle können nun Einfluss auf unsere Gesundheit haben?
Positiv wirken:

  • Zusammengehörigkeitsgefühl, das Gefühl, zu einer Gruppe zu gehören,
  • Offenheit und Kontaktfreudigkeit,
  • Optimismus
  • eine Aufgabe haben; wissen, dass man gebraucht wird.


Negativ wirken:

  • Leistungsdruck, Zeitdruck, hohe Erwartungen
  • Wut, Feindseligkeit
  • das Gefühl, keine Kontrolle über seine Situation zu haben;
  • Pessimismus, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit, Sinnlosigkeit
  • Isolation und Einsamkeit


Die Rolle der Angst

Es war an den Toren einer großen Stadt im Mittelalter, als eine Frau, die still auf einer Bank saß, eine seltsame Gestalt, einen hageren, alten Mann, in die Stadt gehen sah. Sie fragte den alten Mann, wer er war, und wohin er gehe. Der Alte sagte: „Ich bin der Tod, und ich habe die Pest mitgebracht, die tausend Menschen in dieser Stadt das Leben kosten wird.“ Und er ging langsam weiter.
Tatsächlich brach in der Stadt die Pest aus und viele Menschen starben. Als eine Zeit später die Frau in der Stadt unterwegs war, traf sie den alten Mann wieder, der sich nun zum Gehen rüstete, und sie sprach ihn wieder an: „Ihr habt mir gesagt, dass tausend Menschen an der Pest sterben würden – aber ich habe gehört, dass schon über zehntausend Menschen den Tod gefunden haben.“
Der Mann antwortete: „Es ist wahr. Tausend Menschen sind durch die Pest umgekommen – die restlichen aber durch die Angst davor.“
 

Psycho-Noro-Immunologie

Ein relativ junges Fachgebiet innerhalb der Medizin ist die Psycho-Neuro-Immunologie (PNI). Diese Disziplin untersucht die Zusammenhänge zwischen der Welt der Gedanken und Gefühle, den Vorgängen im Nervensystem und den Funktionen des Immunsystems.
Untersuchungen haben gezeigt, dass die Aktivität der Immunzellen des Körpers abhängig von der psychischen Belastung der Versuchspersonen zu- oder abnimmt. Stress, Krisen und Gefühle von Einsamkeit reduzierte die Aktivität des Immunsystems, während sie durch Entspannung und eine positive Stimmung gesteigert wurde.


Dr. Jon Kabat-Zinn: „Dr. Robert Ader und Dr. Nicholas Cohen von der Medizinischen Fakultät der Rochester University haben Mitte der siebziger Jahre eine Reihe von vielbeachteten Experimenten durchgeführt, die der PNI zum Durchbruch verhalfen. Die Zahl der Forschungsarbeiten schnellte daraufhin explosionsartig in die Höhe und das Interesse an diesem Forschungszweig wurde immer größer. Man entdeckte eine in ihren Implikationen dramatische Beziehung zwischen Gehirn und Immunsystem.... In Zukunft wird man sich zunehmend auch mit der Frage beschäftigen müssen, wie stark der Geist auf den Heilungsprozess bei bestimmten Krankheiten einwirken kann, und zwar nicht nur indirekt, etwa durch eine veränderte Lebensweise, so wichtig dies auch sein mag, sondern direkt, das heißt, durch eine direkte, die Heilung begünstigende Einflussnahme auf das Immunsystem.“


Jeder Mensch, der sein eigenes Befinden oder das anderer Menschen aufmerksam beobachtet, kann feststellen, wie sehr Stress und psychische Belastungen direkt die physische Gesundheit beeinträchtigen – und jetzt konnte dieser Zusammenhang durch Beobachten und Zählen der Immunzellen eindeutig nachgewiesen werden. Umso größer und gesicherter wird die Bedeutung der Gedankenwelt sowohl in der Vorsorge als auch in der Heilung bzw. Therapie.
 

Der Placebo-Effekt

Weithin bekannt und dennoch in seiner vollen Bedeutung noch meist unterschätzt ist der Placebo-Effekt: Patienten erhalten ein Medikament, das jedoch keine Wirkstoffe, sondern nur normalen Traubenzucker enthält. Ihnen wird jedoch gesagt, dass sie ein Medikament höchster Wirksamkeit einnehmen. Das „Pseudo-Medikament“ ruft die selben Wirkungen hervor wie sie von dem „Super-Medikament“ erwartet werden.

Der wirkliche Heilfaktor ist der Geist. Allein die Vorstellung, ein hochwirksames Präparat genommen zu haben, schafft auf der Nervenebene die gleichen Resultate wie die chemische Substanz auf der molekularen Ebene:


Der Glaube eines Menschen verändert tatsächlich
die biochemischen Prozesse in seinem Körper!

 

Dies kommt einer Revolution im Verständnis von Gesundheit und Krankheit gleich, denn der Kranke erhält hier ein wahres Wundermittel, das ohne jegliche negativen Nebenwirkungen arbeitet – und noch dazu kostenlos ist!

  

Optimisten und Pessimisten

Optimismus und Pessimismus sind die grundlegenden Filter unserer Weltsicht und diese Filter haben enormen Einfluss auf zahllose Funktionen des Körpers. An der University of Pennsylvania wurde eine Studie durchgeführt, die die Kraft des Geistes im Zusammenhang mit der Gesundheit nachwies. Es ging um den Vergleich von Optimisten mit Pessimisten. Dr. Seligman, der Leiter der Studie, zeigte, dass Pessimisten in schwierigen Situationen eher anfällig sind für Depressionen, dass sie weniger krankheitsresistent sind und zu hormonellen Störungen und zu Störungen des Immunsystems neigen. Eine pessimistische Grundhaltung, Ängste und ein negatives Selbstbild scheinen für den Körper pures Gift zu sein, während eine positive Grundhaltung, Vertrauen in der Auseinandersetzung mit belastenden Umständen eine schützende Wirkung entfaltet und im Körper neue Kräfte weckt.


Aus dieser und aus anderen Studien erkannte man, dass nicht so sehr der äußeren Welt mit ihren Krisen, Krankheitserregern usw. die Hauptverantwortung an unseren Krankheiten zukommt, sondern dass unsere innere Wirklichkeit, das, was wir denken und glauben, unser Selbstbild, das, was wir für möglich halten, was wir hoffen und fürchten, der wirkliche Gestalter unseres Gesundheitszustandes ist.
Entsprechend ist auch nicht der tatsächliche Stress, dem wir ausgesetzt sind, das wirklich belastende Element, sondern unser geistiger Filter, also die Weise, wie wir die Situation erleben, der „innere Stress“. 

 

Auszug aus dem Buch "Yoga und Gesundheit"