Einführung in Yoga - Teil 2

Der Begriff Yoga bedeutet Zusammenfügen, Vereinen, Einheit. Wir können Yoga als Zustand und Erfahrung eines Einheitsgefühls definieren, als eine tiefe Verbundenheit mit allen Wesen, mit allem Sein. Die Erfahrung dieser Einheit drückt sich auf unterschiedlichen Ebenen aus:

  • Ich lebe in Harmonie mit meiner Natur und bin damit völlig gesund - körperlich und geistig.
  • Ich lebe in Harmonie mit den anderen Menschen, habe positive Beziehungen.
  • Ich lebe in Harmonie mit meiner Umgebung und kann mich sowohl persönlich als auch beruflich entfalten
  • Ich lebe in Harmonie mit mir selbst, habe zu meiner Mitte gefunden.
  • Ich lebe in Harmonie mit Gott und erfahre daraus eine tiefe Freude und Sinnhaftigkeit meines ganzen Lebens.

Der Sinn des Lebens

Jeder Mensch fragt sich gelegentlich, ob es da nicht mehr gibt als unseren oft monotonen oder sorgenbeladenen Alltag: Der Mensch wächst auf, geht zur Schule, heiratet, zieht Kinder auf, arbeitet, isst, trinkt, hat ein wenig Vergnügen, ein wenig Freizeit - und altert allmählich, bis ihn irgendwann diese Frage einholt: was ist der Sinn unseres Daseins? War das alles?... Nirgendwo finden wir diese Frage so klar und vollständig beantwortet wie in der Philosophie des Yoga. Und in der Tat: der Weg des Yoga beantwortet alle Fragen unseres Daseins auf das Vollkommenste - und zwar nicht nur die philosophische Frage nach dem Sinn des Lebens, sondern auch alle praktischen und alltäglichen Fragen, wie die der Gesundheit, der Ernährung, des Umgangs mit Problemen, berufliche, soziale und familiäre Fragen....

 

Yoga, richtig gelebt, fördert die Entwicklung eines spirituellen Bewusstseins, verhindert aber gleichzeitig ein Abheben vom Boden des Alltags, eine „spirituelle Flucht“ vor den Dingen unseres Lebens.

 

Das Ziel des Yoga

Der Grundgedanke des Yoga ist der einer ursprünglichen Einheit und Ganzheit allen Seins, die vor Äonen von Jahren existiert hat. In unserer Kultur bzw. Religion wird diese Einheit als das „Paradies“ bezeichnet. Durch den legendären Sündenfall (der Mensch „aß vom Baum der Erkenntnis“ - er wollte sich in der Welt der Polarität, der Sinne, der Getrenntheit erfahren) kam es zum Verlust dieses Zustandes, der Mensch fiel aus der Einheit in die Polarität, in die Dualität von Gut und Böse, Reich und Arm... die Vertreibung aus dem Paradies.

 

Jeder Mensch trägt die subtile, schwache Erinnerung an die Existenz eines solchen Zustandes der höchsten Einheit, des höchsten Friedens in sich - und sehnt sich, meist auf sehr unbewusster Ebene, danach zurück. Wir ahnen und fühlen, dass es diesen Zustand der ungetrübten Freude, der vollkommenen Liebe gibt - doch wo suchen wir danach? Mit all unserem Streben nach Ansehen, Reichtum und sinnlichen Genüssen verstricken wir uns immer tiefer im Netz der Trennung, der Dualität: erfahren wir nicht immer wieder, dass uns alle äußeren Dinge niemals wirklich bleibend glücklich machen können? Zurück bleibt immer nur die alte Sehnsucht nach der verlorenen Einheit, wie ein schwaches, doch beständiges Glimmen tief drinnen in uns.

 

Das Ziel des Yoga ist es, uns Schritt für Schritt zu der verlorenen Einheit zurückzuführen. Diese Einheit, dieses „Heimkehren“ ist uns nicht verloren oder verwehrt, es ist auch nicht einigen wenigen Yogis oder Heiligen vorbehalten, doch es erfordert ein bewusstes und zielstrebiges Arbeiten an sich selbst, am eigenen Leben und Denken.

 

 

Auszug aus "Yoga fürs Leben"von Arjuna P. Nathschläger