Der Mann und das Pferd

Es war einmal ein Mann, der hatte ein Pferd. Eines Tages lief ihm das Pferd davon. Der Mann wurde bedauert: „Dein einziger Besitz ist nun auf und davon. Welch ein unglücklicher Mensch du doch bist.“
Der Mann sagte: „Wer weiß?“


Doch bald schon kam das Pferd zurück und brachte eine ganze Herde mit. Nun hatte der Mann 20 Pferde statt nur einem.
Alle sagten: „Welch ein glücklicher Mensch du doch bist. Du bist jetzt reich!“
Der Mann sagte: „Wer weiß?“


Der Sohn des Mannes ritt oft aus und da geschah es, dass sein Pferd scheute und ihn abwarf. Der junge Mann brach sich ein Bein und einen Arm.
„Welch ein harter Schicksalsschlag!“ sagten die Nachbarn. „Die Pferde haben dir kein Glück gebracht“
Der Mann sagte: „Wer weiß?“


Es brach Krieg im Land aus und alle jungen Männer wurden eingezogen, doch den Verletzten konnte man nicht gebrauchen; er blieb zu Hause.
Das ganze Dorf beneidete den Mann; sein Sohn musste nicht in den Krieg: „Wie glücklich du doch bist!“
Der Mann sagte: „Wer weiß?“


Alles bewegt sich, unterliegt steter Wandlung. Glück und Unglück, sie sind wie die beiden Seiten einer Münze. Bleibe in der Mitte, bleibe gleich in Glück und Unglück. Je weniger wir uns mitreißen lassen von günstigen und von leidhaften Ereignissen in unserem Leben, desto mehr Ruhe gewinnen wir und desto mehr können wir uns der inneren, göttlichen Stimme öffnen.

 

 

Aus "Die spirituelle Schatzkiste" von Arjuna Paul Nathschläger


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