Essbare Wildpflanzen - der Giersch

von Alexandra Rath


Die einen sprechen von „Unkraut“ und wollen es loswerden, die anderen können gar nicht genug davon kriegen. Essbare Wildpflanzen sind zurzeit in aller Munde. Und das zu Recht. Sie weisen eine unglaubliche Vielzahl an Nährstoffen auf, schmecken hervorragend und sind noch dazu kostenlos. Man muss sie nur zu erkennen wissen.


Eine dieser Vitaminbomben ist der Giersch. Kaum eine andere Pflanze hat eine ähnliche Fülle an Nährstoffen. Giersch besitzt viermal so viel Eisen wie Rindfleisch, fünfmal so viel Vitamin C wie Zitronen und hohe Mengen an Mineralstoffe wie Magnesium, Kalium oder Calcium. Er kann roh oder gekocht gegessen werden. Sein leicht harziges Aroma erinnert an Petersilie mit einem Hauch Mango. Er passt hervorragend in die Wildkräuterbutter, den Wildkräuter-Strudel, zu Risottos oder Nudelgerichten.

Achtung vor Verwechslungen!

Die auch als Geißfuß bekannte Pflanze ist recht leicht an ihrem kantigen, dreieckigen Stiel erkennbar. Trotzdem sollte man sich beim Sammeln sicher sein. Giersch gehört nämlich zur Familie der Doldenblütler, bei denen es auch giftige Vertreter wie zum Beispiel die Hundspetersilie oder den Schierling gibt. Gegessen wird er vor allem im jungen Stadium, jedenfalls bevor er zu blühen beginnt, dann aber fast das ganze Jahr über. Nur starken Frost mag er nicht. Am besten erntet man Giersch bei Freunden im Garten, die wollen ihn ohnehin loswerden und wissen nicht wie. Wir schon, wir essen ihn einfach auf.

 

Giersch als Medizin

Viele Wildkräuter schmecken nicht nur köstlich, sie gelten auch als Heilpflanzen. Die Benediktiner Äbtissin Hildegard von Bingen hat zum Beispiel den Giersch als sogenannten „Zipperleintee“ bei Schmerzen aller Art, vor allem aber bei Gichtanfällen eingesetzt. Heute weiß man, dass die im Giersch vorhanden Stoffe tatsächlich bei Gicht unterstützend helfen können.  

 

 

Giersch-Taboulé

Ich habe hier ein köstliches und obendrein vitaminreiches Giersch-Rezept für dich ausgesucht. Ein Taboulé ist ein traditioneller orientalischer Petersiliensalat mit CousCous oder Bulgur. In Damaskus fand man vor dem Krieg hinter jeder Haustüre ein eigenes Familienrezept. Ich habe hier die Petersilie durch den besonders wertvollen Giersch ausgetauscht. Ein Gedicht!

Zutaten:

  • 200 g CousCous
  • 300 ml Wasser kochend
  • 1 Tomate
  • ½ Gurke
  • 3 Handvoll Giersch
  • 1 Jungzwiebel
  • 1 Prise Piment
  • 1 Prise Kreuzkümmel
  • Zitronensaft und Zeste von 1-2 Zitronen
  • 80 ml Olivenöl
  • Salz
  • Pfeffer


CousCous in eine Schüssel geben, mit kochendem Wasser übergießen, zudecken und 7 Minuten quellen lassen. Mit einer Gabel auflockern.
In der Zwischenzeit das Gemüse in kleine Würfel schneiden. Zitrone auspressen. Den Giersch waschen und fein hacken.
Sobald der CousCous abgekühlt ist, mit allen Zutaten vermischen. Wenn Zeit ist, 1-2 Stunden oder über Nacht im Kühlschrank rasten lassen. Abschmecken, servieren, genießen. Guten Appetit!


Die Autorin

 

Alexandra Maria Rath ist Autorin, Ernährungstrainerin und Wildkräuter-Coach. Wer mehr über Sie erfahren will oder eine ihrer Veranstaltungen besuchen möchte, schaut einfach auf ihren Blog. wildes-wien .at

 

Buchtipp:

Wildes Wien

"Gegessen wird, was in der Stadt wächst!"

 



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