Achtsames Essen

Bei der Ernährung spielt nicht nur das"Was" eine Rolle, sondern auch das "Wie": In welchem Geist nimmst du deine Nahrung zu dir? Wie achtsam bist du dabei? Wie schnell isst du und wie gründlich kaust du deine Nahrung? Werfen wir einen Blick auf das "Wie" der Nahrung.

 

Langsamer essen

Bestimmte Verdauungsprozesse, wie etwa die Zerlegung der Stärke, beginnen bereits im Mund durch Einwirkung des Speichels. Wird das Essen gierig oder hastig hinuntergeschlungen, so können diese chemischen Prozesse nicht vollständig ablaufen, denn die folgenden Teile des Verdauungstraktes sind für diese speziellen Zerlegungsvorgänge nicht eingerichtet.
Ein weiterer Grund für langsameres Essen ist, dass gründliches Kauen und damit Zerkleinern der Nahrung nur bei langsamem Essen möglich ist. Je besser die Nahrung zerkleinert wird, desto leichter wird es für den Rest des Verdauungssystems, da die dort abgegebenen Substanzen besser auf die Nahrung einwirken können.


„Die Nahrung gut zu kauen, regt den Speichelfluss an und dieser wiederum aktiviert die Abgabe von Verdauungssäften. Das gründliche Kauen der Nahrung ist also überaus nützlich. Es ist sehr gefährlich, es zu vernachlässigen. Das Geheimnis, die Nahrung optimal zu nutzen und ihre gute Verdauung zu sichern, liegt darin, jeden Bissen so sorgfältig zu kauen, dass er die Kehle wie eine Flüssigkeit hinunterfließt.“ 
Swami Sivananda 

 

Entspanntheit beim Essen

Die Verdauung gehört, ebenso wie die Ausscheidung und viele andere Prozesse im Körper, zu den unbewussten, automatisch ablaufenden Prozessen, zu den autonomen Funktionen unseres Organismus. Es gibt einen Schalter, der diese autonomen Funktionen aktivieren oder aber weitgehend stoppen kann. Dieser Schalter liegt in unserem Geist: Spannung, Ärger, Unruhe, Angst und Stress hemmen den Verdauungsapparat, während Entspannung, Gelassenheit und Ausgeglichenheit „den Start-Knopf des Verdauungssystems drücken“.


„Iss nicht, wenn du zornig bist. Warte, bis dein Geist seine Ruhe wiederfindet. Iss erst dann.“
Swami  Sivananda

 

Überdies kommt dem Beginn des Essens besondere Bedeutung zu:
„Ein Weiser, ein Eingeweihter kaut den ersten Bissen bewusst und so lange wie möglich, bis er sich im Mund auflöst, ohne dass er ihn schlucken muss. Es ist außerordentlich wichtig, wie man den ersten Bissen zu sich nimmt, denn dieser erste Bissen setzt alle möglichen Mechanismen in uns in Gang.“
O. M. Aivanhov

 

Achtsamkeit und Würdigung

Wer wirklich den vollen Nutzen der Nahrung gewinnen möchte, nimmt sie im Bewusstsein einer sakralen Handlung ein: Ähnlich wie man sich vor dem Asana-Üben mit einer kurzen Meditation oder einem Mantra einstimmen sollte, so ist es vorteilhaft, sich mit einem Tischgebet oder einer etwa einminütigen Stillephase auf die Mahlzeit vorzubereiten. So verbindet man sich geistig mit der Nahrung und ihrem Schöpfer, und nimmt dann die Mahlzeit schweigend und bewusst ein:


„Ein Eingeweihter richtet alle seine Gedanken auf die Nahrung, er schließt sogar die Augen, um sich besser konzentrieren zu können. Da die Nahrung für ihn eine Offenbarung Gottes darstellt, bemüht er sich, sie in all ihren Aspekten zu erfassen: Woher sie kommt, was sie enthält, welche Eigenschaften ihr entsprechen... 
Segnet die Nahrung, bevor ihr sie esst - die Segnung hat die Aufgabe, die Nahrung auf uns vorzubereiten; denn man muss begreifen, dass sie ein Eigenleben besitzt, und dass ihre Schwingungen nicht immer den unseren entsprechen. Wir müssen ihr einige Teilchen unseres Wesens geben, sie magnetisieren, um die Bewegung ihrer Teilchen zu ändern, und sie uns zum Freund machen. Danach wird sie sich für euch öffnen und euch alle Reichtümer schenken, die sie besitzt.“ 
O. M. Aivanhov

  

 

Iss also langsam und achtsam. Sei mit den Gedanken nicht im Morgen oder im Gestern, sondern ganz beim Essen, ganz beim Schmecken, ganz beim Kauen.

 

Auszug aus "Yoga fürs Leben" von Arjuna P. Nathschläger