Der wahrhaft Entsagende

Ein indischer Heiliger, ein Sannyasin, lebte ein höchst einfaches und bescheidenes Asketenleben. Er schlief nur wenig, nahm nur das allernotwendigste zu sich, und hatte allen Besitz aufgegeben. Er war den größten Teil des Tages in tiefe Meditation versunken.


Am Abend war er jedoch für seine Jünger da, unterrichtete und unterwies sie in der Weisheit der alten Schriften.
Ein Jünger sagte einmal voll Bewunderung: „Welch großer Mensch Ihr doch seid, Meister! Ihr habt allen Dingen entsagt, lebt so höchst einfach, und ohne all die Dinge, die das Leben doch so angenehm machen. Welch ein großer Entsagender Ihr doch seid.“
Der Sannyasin schüttelte lächelnd den Kopf. „Du irrst, mein Junge. Der wahrhaft Entsagende ist der weltliche Mensch, der für ein paar vergängliche Freuden, die dazu noch mit viel Bitterkeit vermischt sind, der unendlichen Wonne Gottes entsagt. Ich ein Entsagender? Ich genieße das höchste Glück, das ein Mensch erfahren kann, in der Meditation, in der Stille.“


Was ist wirklich von Wert? Was gilt es aufzugeben? Was tausche ich ein? Der Weise erkennt, dass er mit weltlichen Dingen etwas von geringerem, vergänglichem Wert aufgibt, um etwas Großes von wirklich bleibendem Wert zu erhalten.

 

Aus "Die spirituelle Schatzkiste" von Arjuna Paul Nathschläger