Der Minister und der Bettler

Es war einmal ein Minister in einem indischen Königreich. Jeden Tag ritt er mit einem wunderbar geschmückten Pferd, das eine prachtvolle Decke trug, zum Palast. Er selbst war prächtig gekleidet und mit Diamanten und Juwelen geschmückt.


Ein alter Bettler im Park sah ihn jeden Tag vorbeikommen. Nach ein paar Jahren sagte er zu dem Minister: „Ich danke dir so sehr!“ Der Minister fragte: „Warum dankst du mir?“ Der Bettler antwortete: „Du hast mich so reich beschenkt, vor allem mit deinen Juwelen!“

Der Minister fürchtete schon, er habe vielleicht Juwelen verloren und der Bettler habe sie gefunden. Er fragte: „Habe ich dir Juwelen gegeben?“ „Nein, aber jeden Morgen und jeden Abend sehe ich dich geschmückt mit diesen Juwelen. Das ist ein so schöner Anblick für mich!“


Der Bettler war offensichtlich nicht nur ein weiser Mann, denn er konnte sich an Dingen erfreuen, ohne sie zu besitzen, sondern er war auch frei von Neid, hatte er selbst doch kaum das Notwendigste zum Überleben und der Minister lebte im Überfluss.
Beobachten wir uns selbst: Müssen wir wirklich alle Dinge besitzen, um uns an ihnen zu erfreuen? Und, wie wir bei der Furcht des Ministers gesehen haben: Besitz ist immer wieder verbunden mit Sorgen und Ängsten. Der Besitz kann gestohlen werden, kaputt gehen oder uns auf eine andere Weise zur Last werden.

 

Aus "Die spirituelle Schatzkiste" von Arjuna Paul Nathschläger